1. Februar 2022

Transformation zu einer nachhaltigen Wirtschaft steht an

Banken kommt bei dieser Herkulesaufgabe eine Schlüsselrolle zu

Gastbeitrag in der Jubiläumsausgabe der Börsen-Zeitung vom 01.2.2022 von Sarah Schmidtke, Ge­schäfts­füh­re­rin des Bankenverbandes Mitte.

Wir schreiben das Jahr 2022, nur noch wenig mehr als 25 Jahre verbleiben, um Europa zum klimaneutralen Kontinent zu machen. Wir stehen damit vor einer der größten wirtschaftlichen Umgestaltungen der vergangenen 100 Jahre. Die grüne Transformation steht an.

Und obwohl es bei der konkreten Umsetzung noch viele Fragezeichen gibt, ist eines sicher: Die Transformation zu einer nachhaltigen Wirtschaft wird Geld kosten, sehr viel Geld. Um die europäische Wirtschaft in Richtung Klimaschutz umzukrempeln, müssen in diesem Jahrzehnt jährlich, so schätzt es die EU-Kommission, rund 350 Mrd. Euro an zusätzlichen Investitionen getätigt werden. Zum Vergleich: Der Marshall-Plan für den Wiederaufbau Westeuropas hätte zur heutigen Zeit „lediglich“ 125 Mrd. Euro gekostet.

Es liegt auf der Hand, dass solche Geldsummen nicht allein aus öffentlichen Mitteln stammen können. Vielmehr gilt es, privates Kapital für diese Wirtschaftstransformation zu mobilisieren.

Banken als wichtiger Hebel

Doch wie lassen sich hunderte Milliarden Euro gezielt in nachhaltige Projekte lenken? Das Schlüsselwort heißt: Sustainable Finance. Und hier kommen die Banken ins Spiel. Denn durch Kredite und Kapitalmarktprodukte können die Institute gezielt Kapital für nachhaltige Vorhaben bereitstellen; sie halten damit einen wichtigen Hebel in der Hand, um die grüne Transformation umzusetzen.

Grüne Transformation bedeutet vor allem, emissionsstarke durch klimaschonende Technologien zu ersetzen. Viele private Banken arbeiten bereits daran, den Klimaeffekt, der von den Geschäften ihrer Kunden ausgeht, besser zu verstehen und mithilfe von Modellen den CO2-Fußabdruck ihrer Kreditportfolien zu bestimmen. Auf Basis dieser Ergebnisse können sie dann in einem zweiten Schritt Vorgaben für ihr (Neu-)Geschäft definieren und folglich ihre Portfolien darauf ausrichten, dass die Ziele des Pariser Klimaschutzabkommens erreicht werden.

In einem nächsten Schritt stehen die Banken schließlich vor der Aufgabe, ihren Kunden passende Finanzierungsmöglichkeiten für konkrete Nachhaltigkeitsinvestitionen zur Verfügung zu stellen oder durch ESG-basierte (ESG steht für Environment Social Governance) Key- Performance Indicators (KPIs) im Kreditvertrag Anreize für klimaverträgliches Wirtschaften zu schaffen. Gerade in Europa, wo 70 % der Investitionen kreditfinanziert sind, ist dies ein wichtiger Faktor.

Doch auch über die Kreditfinanzierung hinaus bieten private Banken eine breite Produktpalette an, um die grüne Transformation zu finanzieren. Von Green Bonds und grünen Schuldscheinen für Unternehmen bis hin zu nachhaltig gemanagten Fonds für Anleger arbeiten Banken daran, ihr Produktangebot im Bereich Sustainable Finance weiter auszubauen.

"Grüne Transformation bedeutet vor allem, emissionsstarke durch klimaschonende Technologien zu ersetzen. Viele private Banken arbeiten bereits daran, den Klimaeffekt, der von den Geschäften ihrer Kunden ausgeht, besser zu verstehen.“

Private Banken können als verlässliche Berater und Partner ihren Kunden die Finanzierung des Transformationsprozesses ermöglichen. Wichtig ist, dass seitens der Politik klare und verlässliche Vorgaben formuliert werden, was genau als nachhaltig einzustufen ist. Hierbei müssen wissenschaftsbasierte und praktikable Kriterien für die Anwendung der Taxonomie eine entscheidende Rolle spielen. Es muss erkennbar sein, mit welchen Daten und Informationen die Nachhaltigkeitskriterien erfüllt werden können.

„Ziel muss es sein, Transformationsbemühungen von Unternehmen besser abzubilden. Das Stichwort lautet hier ‚transitionfinance‘, also die Einbeziehung nicht nur der ‚green‘ economy, sondern auch der ‚greening‘ economy in die Taxonomie.“

Die Transformation hin zu einer nachhaltigen Wirtschaft ist eine Herkulesaufgabe, die alle Akteure herausfordert. So bemühen sich auch viele der Unternehmen, deren Geschäftsaktivitäten die Taxonomie- Bewertungskriterien noch gar nicht erreichen, nachhaltiger zu werden. Allerdings werden diese Bemühungen in der Taxonomie bislang nicht ausreichend honoriert. Die EUKommission plant deshalb, das Klassifizierungsverfahren zu erweitern.

Transition Finance

Ziel muss es sein, Transformationsbemühungen von Unternehmen besser abzubilden. Das Stichwort lautet hier „transition finance“, also die Einbeziehung nicht nur der „green“ economy, sondern auch der „greening“ economy in die Taxonomie. Dieser Schritt ist wichtig, um die gesamte Wirtschaft in Richtung Nachhaltigkeit mitzunehmen.

Banken sind bereit für die grüne Transformation, denn eines ist klar: Nur im Zusammenspiel mit allen Beteiligten kann diese Aufgabe erfolgreich gelingen. Schon seit Beginn der Corona Pandemie waren Banken Teil der Lösung, indem sie in enger Zusammenarbeit mit Politik und Förderbanken betroffene Unternehmen unterstützt haben. Auch bei der grünen Transformation spielen Banken eine Schlüsselrolle und wollen Verantwortung übernehmen.

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